Kriegskinder – Monolog der deutschen Volksgemeinschaft

„Wahrheit? _ Das hängt davon ab, wonach wir fragen – nach der großen Allgemeingeschichte oder nach der kleinen, die dem einzelnen widerfährt. Beide stimmen ziemlich selten überein.
Deshalb tut die kleine Geschichte die große gern als Propaganda ab und die große die kleine als persönlichen Kram. Und doch wäre sie froh, wenn sie dem Menschen so nahe käme“ – Christian Z.[1]

Mit diesem idealistisch-kitschigen Quatsch wird man in der Ausstellung „Kriegskinder. Dialog der Generationen in der Region Pirna“ begrüßt, die noch bis Frühjahr 2021 im StadtMuseum der sächsischen Provinzstadt besucht werden kann. Neben dieser vorangestellten Absage an historische Wahrheit eröffnet sich rechts neben dem Zitat eine Wand mit einer Auswahl von Kinderfotos der 60 Zeitzeugen aus Pirna und Umgebung, die für dieses abstruse Machwerk interviewt worden sind. Anschaulich ist an der Ausstellung vor allem der Versuch den Graben zwischen bloßer „oral history“ und der Steinmeierisierung des Erinnerns zu überbrücken, der auf halber Strecke stecken geblieben ist. Anders ausgedrückt: Je größer die Kinderaugen, umso größer die Lüge.

Aber was soll auch von einem „Forschungs“projekt, welches in eben dieser Ausstellung gipfelte, erwartet werden, wenn sich die Verantwortlichen einerseits in gerade angesagter Projektsprache „[…] neue Sammlungs- und Vermittlungsmethoden sowie Partnerstrukturen […]“[2] herbeiphantasieren und andererseits unverhohlen betonen: „Wir wollten nicht in die Archive gehen, um bereits gespeichertes Wissen hervorzuholen.“[3] Dazu passt auch, dass die Ausstellung im Rahmen des 75. Jahrestags der Bombardierung der Stadt durchgeführt wird. Dazu möchte man in den Worten Joachim Bruhns und Jan Gerbers antworten:

„Historische Jubiläen erinnern an große Schauprozesse.“[4]

Bereits formal lässt sich das Elend fassen, das seinen Anfang am eingefügten Zeitstrahl auf der Treppe zur eigentlichen Ausstellung nimmt, weshalb wir das gleich zu Beginn benennen. Dieser einzige Versuch einer kritischen Einordnung ist allerdings zum Scheitern verurteilt, wenn er die Einrichtung von KZs mit der Bombardierung der Elbbrücke in Pirna in eine Reihe stellt. Es gibt keine Kontextualisierung der Archivalien und Quellen in der Ausstellung selbst, keine Kommentierung und historische Einordnung der Zeugenaussagen, die einem von den Tafeln wie Weisheiten entgegenspringen, und kein Bezug zum historischen Hintergrund, sprich Kindheit im Nationalsozialismus und den dazugehörigen Organisationen (Hitlerjugend, Bund Deutscher Mädel, etc.). Hinzu kommt noch, dass man es nach den ganzen Debatten rund um die Transformierung des 13. Februars in Dresden im wiedergutgewordenen Deutschland tatsächlich in Pirna schafft, wieder die Tieffliegermythen auszugraben.

Im Gegensatz zu Freunden des „hellen Deutschlands“, die nach dieser Aufzählung gleich ihr Bewerbungsschreiben hinten dranhängen, wie man die Ausstellung besser machen bzw. diese doch noch in die Berliner Republik eingemeinden könnte – was unsere Sache nicht ist –, werden wir im Fortgang noch auf einige der „Highlights“ eingehen. In diesem Sinne nehmen wir Sie jetzt mit in den Luftschutzbunker – inhaltlich wie ideologisch.[5]

 „Dann begann das Gemunkel und der Hass auf die Deutschen 1946.“ – Monika K.

Dieser – natürlich unkommentierte – Ausspruch treibt auf die Spitze, was sich durch die ganze Ausstellung zieht: (auch) für die „Volksgemeinschaft“ war der Krieg nicht immer schön und gerade nach dessen Ende war es für Kinder auf einmal verpönt, Krieg zu spielen. Und dann wollten die Alliierten es noch nicht einmal einfach auf sich beruhen lassen. Das Zitat Monika K.’s kann aber zugleich auch als ein Schlusspunkt über die Bombardierungsgeschichten innerhalb der Ausstellung angesehen werden, die neben der beworbenen Kindheitsidylle das tragende Moment sind. Dabei dürfen sowohl die bereits genannten Tieffliegermythen (Brigitte S., Marianne B., Annemarie S.) als auch der Brand Dresdens (Rolf K.) nicht fehlen.

An jenen Punkten wirkt die Ausstellung wie aus der Zeit gefallen, wenn man sich den angesprochenen Rummel um den 13. Februar nebst Transformation des Gedenkens anschaut, die nicht nur wir die letzten Jahre immer wieder benannt und kritisiert haben.[6] Zugleich wird daran ersichtlich, dass eine kritischere Einordnung nicht zwangsläufig auch bessere Ergebnisse zeitigt. Dies lässt sich ebenso am 13. Februar ablesen. Die Aufarbeitung und Benennung von Tätern enthält zugleich die Ansage, aufgrund dessen – maßgeblich in Dresden – nun endlich auch Deutschen gedenken zu können. Darüber hinaus nutzt man dies, um ebenso anderen ungefragt das neue pazifistische deutsche Wesen anzuempfehlen. Dafür war die Rede Frank-Walter Steinmeiers zum Gedenktag der Shoa in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem ein ekelerregendes Paradebeispiel.[7]

Diesen heute gängigen Gedenkritus – wenn schon nicht Schuld wenigstens Fakten zu benennen, um dann doch wieder bei Deutschen zu landen –, hat man sich bei der Ausstellung gänzlich gespart. Im Gegenteil wirft diese, so schlecht sie auch konzipiert und ideologisch verbrämt sein mag, ein Schlaglicht darauf, was man heutzutage in den jährlich unzähligen Gedenkpossen unbedingt vermeiden will: Das unfreiwillige Aufzeigen, dass die Deutschen (wegen des verlorenen Krieges) sich in erster Linie vor allem selbst leidtun.[8]

Das zeigt sich bereits beim erwähnten Zeitstrahl auf der Treppe, der aus kleinen Tafeln besteht, die sich unterteilen in überregionalen (blau) und sächsischen (orange) Bezug. Neben der Unfähigkeit Anführungszeichen richtig den jeweiligen historischen Termini zuzuordnen, fällt neben dem eingangs Gesagten vor allem eine orange Tafel auf, die nach Nennung von der Einrichtung der KZ-Außenlager in Pirna und Umgebung auf einmal von elf Pirnaer Flakhelfern berichtet, die bei der Bombardierung Berlins ums Leben gekommen sind. Auch an dieser Stelle zeigt sich explizit, dass die Ausstellungsbeauftragten sich konsequent dem Vergangenheitsbewältigungsschema entziehen. Zugleich wird die alte Gleichstellung von durch die Deutschen Umgebrachten und toten Deutschen mithilfe eines universalen Leidbegriffs gefasst, der sich durch die gesamte Ausstellung zieht und in den Worten auf der Einführungstafel gipfelt: „Der Zweite Weltkrieg ging von Deutschland aus. Unermessliches Leid und Gewalt mussten verfolgte, deportierte, ermordete oder zur Zwangsarbeit verurteilte Menschen erdulden. Leid ist jedoch immer persönlich und kann mit Leid anderer nicht aufgerechnet werden.“ Dabei wird dann in diesem Duktus der Verlust einer Puppe auf die gleiche Ebene gehoben wie die Ermordung einer Mutter auf dem Pirnaer Sonnenstein im Zuge der „Aktion T4“ und es kommt dadurch eben doch mit der durch Kindeshilfe erzeugten moralischen Erpressung zur vorher noch für unmöglich gehaltenen Aufrechnung![9]

Als letztes an dieser Stelle verhandeltes Lowlight sei auf die Todesanzeigenwand, bestehend aus aus Zeitungen ausgeschnittenen und gesammelten Traueranzeigen, verwiesen, die auf den einzigen erwähnten Juden in der Ausstellung folgen (ganz ohne geht es selbst in so einer Ausstellung dann nicht). Während man auf der Erklärungstafel von Jugendfreunden und Klassenkameraden liest, zeigt sich beim genaueren Blick auf die Todesanzeigen selbst, dass es sich um Nationalsozialisten aus der Region handelt, u.a. der im Osten operierende SS-Unterscharführer Heinz Roitzsch. Die Leidensgeschichte, die in dieser Form transportiert wird, kennt keine Schuldigen und ist darum besonders in Bezug auf den Nationalsozialismus indiskutabel. Diese Stilisierung des allgemeinen Leidens – das in Pirna, gemäß der Kindheitserzählung von Ruth R. erst 1944 anfing, als die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum rarer wurden – versagt vollständig, wenn es darum geht, die einzig richtige Schlussfolgerung aus der deutschen Barbarei zu ziehen, nämlich, dass es nach der Shoa nur darum gehen kann, dass sich Auschwitz nicht wiederholt. Dass die Ausstellung mit großen Kinderaugen und schweren persönlichen Schicksalen aufwartet, ist eine reine Moralisierung.

Dementsprechend begrüßen wir, dass das AKuBiZ sich als einer der eingetragenen Kooperationspartner von Anfang an vehement gegen diese Form der Ausstellung ausgesprochen hat und in einer Stellungnahme ihren Rückzug deutlich macht.[10] Nur steht leider das AKuBiZ ziemlich allein mit dem Widerspruch. Ganz im Gegenteil stoßen die Verantwortlichen mit ihrem wirren Ausstellungskonzept auf positive Resonanz in der Region. Direkt zu Beginn der Ausstellung und dem Jahrestag der Bombardierung Pirnas schaffte es Thomas Möckel in seinem Artikel 15 Minuten, die Pirna erschütterten in der Sächsischen Zeitung nicht einmal den Nationalsozialismus zu erwähnen, geschweige denn eine halbwegs gelungene Einordnung der Bombardierung und der Kriegskinderausstellung nur in Erwähnung zu ziehen.[11] Es fällt kein Wort zur Schuld, es wird nicht aufgezeigt, weshalb es in Pirna trotz Krieg überhaupt eine Kindheitsidylle geben konnte (Zwangsarbeit, Ausbeutung besetzter Gebiete), und von der systematischen Ermordung der Juden oder der „Aktion T4“ ist ebenfalls keine Rede.[12] Während dieser Artikel eher das erinnerungspolitisch vollkommen aus der Zeit Gefallene unterstreicht, ist der Ansatz von Christian Ruf in seinem jüngst in den Dresdner Neuesten Nachrichten veröffentlichten ganzseitigen Beitrag … so verging unsere Jugendzeit, viel Schmerz und Trauer, die Ausstellung in die steinmeierisierte Berliner Republik überzuhelfen, unverkennbar.[13] Dem geschulten Journalisten ist im Gegensatz zu Thomas Möckel – auch wenn dieser für seinen unerträglichen Artikel nicht wirklich Gegenwind bekommen hat – bewusst, dass er ohne die Nennung von nationalsozialistischen Taten nicht einfach den Deutschen gedenken kann. So steigt er mit dem Fakt ein, dass die Deutschen den Luftkrieg begonnen haben – und erst dann die Bomben 1945 auf Pirna fielen –, und behauptet wahrheitswidrig, dass der erwähnte Zeitstrahl die Ereignisse einordne und deutlich mache,  „[…] wes ´Geistes´ Kind die NS-Diktatur war.“[14] Auch meint er – manchmal stellt sich die Frage, ob er die Ausstellung wirklich gesehen oder nur auf der Webseite gestöbert und sich den Rest von den Kuratoren erzählen lassen hat –, dass die Ausstellung beispielsweise sehr gut die Militarisierung der Gesellschaft zeige. Letztendlich sind diese ganzen Ausführungen und Absicherungen nur dazu da, um dann ganz unverhohlen das aussprechen zu können, was einen wirklich bewegt: den zuhauf im Krieg gestorbenen Pirnaern zu gedenken, die bösen Alliierten – seien es die westlichen Bomber oder die vergewaltigenden Soldaten der Roten Armee – zu benennen und, da Leid ja immer persönlich bleibe, „[…] Menschen aus Pirna und Umgebung zu Wort […]“ kommen zu lassen, „[…] die oft über Jahrzehnte schweigen mussten.“[15] Anhand dieser bespielhaften Rezeption zeigt sich, dass die Ausstellung scheinbar für alle erinnerungspolitischen Deutschen etwas zu bieten hat und Anknüpfungspunkte bietet: ob nun oldschool (Thomas Möckel) oder neudeutsch (Christian Ruf).[16]

Zum Abschluss können wir uns nur der subtilen Empfehlung eines Mitarbeiters des Pirnaer StadtMuseums anschließen: Wer dem Drang nach einem Museumsbesuch im Klosterhof nicht widerstehen kann, sollte sich lieber der Sonderausstellung zu Heinz Fülfe widmen und sich Herrn Fuchs und Pittiplatsch ansehen. Hier können die ideologischen Verfehlungen und heimelnde Ostalgie vielleicht wenigstens von ein paar schönen Kindheitserinnerungen begleitet werden.


[1] Alle Zitate und Namen sind der Ausstellung entnommen, wenn nicht anders angegeben und ebenso die Fehler, wie im Eingangszitat der Unterstrich. Die Zitate sind den jeweiligen Biografietafeln der angegebenen Person entnommen worden. Tatsächlich lässt sich das Eingangszitat nicht genau zuordnen, es liegt aber nahe, dass es zu Christian Z. gehört.

[2] Vgl. Kriegskinder – Dialog der Generationen in der Region Pirna, online: https://pirna.de/pirna-erleben/kultur/museen/stadtmuseum-pirna/kriegskinder-dialog-der-generationen-in-der-region-pirna/ [zuletzt aufgerufen am 08.07.2020].

[3] René Misterek, seines Zeichens Museumsleiter des StadtMuseums, in einem Filmbeitrag zur Ausstellung. Vgl. Pirna TV: Kuratorinnen-Rundgang durch die neue Sonderausstellung des Stadtmuseums Pirna (0:28 min), online: https://youtu.be/_kCdtUNYRQo [zuletzt aufgerufen am 08.07.2020].

[4] Bruhn, Joachim/ Gerber, Jan: Vom Protest zum Pogrom, in: (Dies.) (Hrsg.): Rote Armee Fiktion, Freiburg i. B. 2007, S. 7-14, hier S. 7.

[5] An einem Durchgang der Ausstellung ist ein Schild aus der damaligen Zeit mit der Aufschrift „Luftschutzbunker“ angebracht und der Durchgang selbst war dafür extra abgedunkelt worden.

[6] Beispielsweise unser Text zum diesjährigen Happening. Vgl. Pirnaer Autonome Linke: Aktuell wie nie: Keine Versöhnung mit Deutschland!, vom 07.02.2020, online: https://pirnaerautonomelinke.wordpress.com/2020/02/07/aktuell-wie-nie-keine-versoehnung-mit-deutschland/ [zuletzt aufgerufen am 06.07.2020].

[7] Zu Kritik an der Rede des Deutschen Bundespräsidenten in Yad Vashem, in dem er in typisch neudeutscher Manier den Juden einmal mehr mitteilte, was diese zu tun oder zu lassen haben, vgl. Wertmüller, Justus: Samuel und Rega, Ida und Vili waren Menschen. Deutsche erklären am 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz ihren Standpunkt, in: Bahamas (2020) 84, S. 42-45.

[8] Einen Anteil daran haben auch die Zeitzeugen. Ein Großteil dieser waren zum damaligen Zeitpunkt Kinder im Alter zwischen ein und acht Jahren. Dennoch fand im Alter anscheinend keine Reflexion statt, was bereits daran ersichtlich wird, dass eine Zeitzeugin Erinnerungen von 1945 benennt, obwohl sie 1944 geboren worden ist (Annemarie S.). Den Zeitzeugen selbst scheint dieser Widerspruch entweder nicht aufgefallen oder schlicht egal zu sein, solange man bisschen was aus den 1930er- und 1940er-Jahren erzählen konnte: Es war ja nicht alles schlimm. Zugleich übernimmt man dies nicht nur unkommentiert, sondern hinterfragt diesen offensichtlichen Widerspruch nicht.

[9] Unterstrichen wird der (unbewusste) Drang zur Aufrechnung, dass man nun einen Container zur Ausstellung an der Grohmannstraße vor der Deutschen Bank in Pirna in unmittelbarer Nähe des VVN-Mahnmals für die Opfer des Faschismus (Gegenüber Ecke Grohmannstraße/ Gartenstraße) aufgestellt hat.

[10] AKuBiZ: Kooperation mit dem Stadtmuseum zur Ausstellung „Kriegskinder – Dialog der Generationen in der Region Pirna“ beendet, online: https://akubiz.de/index.php/38-verein/news/766-kooperation-mit-dem-stadtmuseum-zur-ausstellung-kriegskinder-dialog-der-generationen-in-der-region-pirna-beendet [zuletzt aufgerufen am 02.07.2020].

[11] Vgl. Möckel, Thomas: 15 Minuten, die Pirna erschütterten, in: Sächsische Zeitung, Lokalausgabe Pirna, 19.04.2020, online: https://www.saechsische.de/plus/15-minuten-die-pirna-erschuetterten-5195358.html [zuletzt aufgerufen am 14.07.2020]. Der Artikel ist einen Tag zuvor in der Printausgabe der Sächsischen Zeitung für Pirna erschienen.

[12] Das AKuBiZ hat einen Leserbrief auf ihrer Seite veröffentlicht, der sich kritisch mit dem besagten Artikel auseinandersetzt und leider nicht in der Sächsischen Zeitung veröffentlicht wurde. Wir teilen die Kritikpunkte, die wir hier nur kurz angedeutet haben. Vgl. AKuBiZ: Widerspruch: „15 Minuten, die Pirna erschütterten“, online: https://akubiz.de/index.php/38-verein/news/758-widerspruch-15-minuten-die-pirna-erschuetterten [zuletzt aufgerufen am 14.07.2020].

[13] Vgl. Ruf, Christian: „… so verging unsere Jugendzeit, viel Schmerz und Trauer“, in: Dresdner Neueste Nachrichten, 11.07.2020, S. 22.

[14] Ebd.

[15] Ebd. Diese Aussage hält wie so vieles in dem Artikel der historischen Einordnung nicht stand. Mit Blick auf die DDR und das dort begangene Gedenken zu Dresden unter dem Schlagwort „angloamerikanischer Bombenkrieg“ zeigt, dass vom Schweigen keine Rede sein konnte und allerspätestens nach 1990 sowieso nicht mehr. Auch die Bombardierung Pirnas wurde in den letzten Jahren immer wieder mal thematisiert, teils auch mit Gedenkveranstaltungen, also kann auch beim Regionalbezug vom jahrzehntelangen Schweigen ebenfalls keine Rede sein.

[16] Das gilt nicht nur für diese genannten Artikel, sondern spricht auch aus dem Antwortschreiben der Kultur- und Tourismusgesellschaft Pirna mbH, den das AKuBiZ auf ihren offenen Brief erhalten hat, vgl. https://akubiz.de/attachments/article/766/2020_07_07_Antwort%20Off.%20Brief%20AKuBiz.pdf [zuletzt aufgerufen am 15.07.2020]. Alle folgenden Zitate in der Fußnote sind dem Schreiben entnommen.
Auch in dem Schreiben sind pflichtbewusst die typischen Phrasen, dass der Krieg von Deutschland (nicht von Deutschen) ausging, zu hören, die im erwähnten Leidbegriff enden, d.h. der Krieg war letztlich für alle schlimm. Richtig skurril auch die folgende Einschätzung: „Sie [die Ausstellung, Anm. PAL] ist Teil eines Gesamtprojektes, das aus den ‚Säulen‘ Zeitzeugeninterviews, Vorträge, Diskussionsforen, pädagogisches Programm, Publikation sowie die von Ihnen angesprochenen [sic!] Sonderausstellung besteht.“ Erstaunlich, dass bei Herrn Schmidt-Doll noch nicht ankam, dass Ausstellungen in erster Linie für sich selbst sprechen, was bedeutet, selbst mit Rahmenprogramm würde diese Ausstellung nichts von ihrem Geschichtsrevisionismus einbüßen. Daneben hebt man darauf ab, dass das Ganze im Rahmen des 75. Jahrestages der Bombardierung Pirnas eingebettet ist. Hierbei verweisen wir gern nochmals auf das Zitat von Bruhn und Gerber: „“Historische Jubiläen erinnern an große Schauprozesse“ (Bruhn/Gerber: Rote Armee Fiktion (a.a.O.), S. 7).
Neben diesen Punkten ist aber vor allem der vorletzte Absatz entscheidend, der darauf verweist, was wir bereits häufiger angemerkt haben, was immer noch den Unterschied zwischen Sachsen und Berliner Republik ausmacht: „Viele Besucher konstatieren dem Museum eine wertvolle und respektvolle Erinnerungsarbeit im Rahmen der Ausstellung.“